Der ESG Score ist derzeit in aller Munde, aber was genau ist das eigentlich? Der ESG Score stellt ein Framework zur Bewertung der Aspekte Umwelt, Soziales und Governance (Environmental, Social and Governance) dar.

Woraus genau setzen sich die einzelnen Bereiche zusammen?

Unter dem Aspekt Umwelt werden Faktoren wie Klima, Ressourcenknappheit, Wasser oder Artenvielfalt gefasst. Soziales betrachtet Mitarbeiter, Sicherheit und Gesundheit, den demographischen Wandel und Ernährungssicherheit, während Governance Faktoren wie Risiko- und Reputationsmanagement, Aufsichtsstrukturen, Compliance und Korruption einschließt.

Wie funktioniert der ESG Score?

Im Gegensatz zu den klassischen SPO Ratings (Second Party Opinion) von beispielsweise Moody’s oder S&P können sich die Unternehmen die Agentur, die die Bewertung durchführt beim ESG Score nicht selbst aussuchen. Stattdessen erfolgt diese im Auftrag der Investoren. Zu den wichtigsten Anbietern zählen hier Thomson Reuters, Bloomberg, MSCI und Ecovadis.

Man kann also abgrenzend zu den klassischen Ratings von einer gewissen Objektivitätssteigerung sprechen. Allerdings sind meist nur große Bluechips Gegenstand der Analysen.

Welche Nachteile hat der ESG Score?

Ein großer Nachteil ist die mangelnde Nachvollziehbarkeit für Privatanleger. Aufgrund der zahlreichen Variablen (die unter den Ratingagenturen auch nicht identisch sind), der Subjektivität der Analysten bei deren eigener Recherche („Analysten sind auch nur Menschen“) fehlt eine gewisse Transparenz und Objektivität. Die Informationsgrundlagen sind nicht einfach aufzufinden und es stellt sich die Frage, ob die Fakten, die den Analysten zugrunde liegen wirklich valide sind oder ob diese nur das Produkt erfolgreich arbeitender CSR-Abteilungen sind, die proaktives ESG Score Management betreiben.

Außerdem sollte man als Anleger natürlich nicht nur den ESG Score beachten, da dieser nicht allumfassend ist und nur einer von zahlreichen KPIs ist.

Wie sehr sollte man den ESC Score dann berücksichtigen?

Da es sich um eine Standardisierung handelt, die eine einfache Vergleichbarkeit aus einer Vielzahl an Aktien zulässt, eignet sich der ESG Score gut als Messgröße für Indizes und institutionelle Anleger. Obwohl die Transparenz oft nicht vollständig gegeben ist, sollten aber auch Privatanleger auf die Kennzahl achten.

Dadurch, dass Nachhaltigkeit beim Anlegen eine zunehmend wichtige Rolle spielt, fallen Unternehmen mit einem schlechten ESG Rating bei großen Fonds- und Vermögensverwaltern durch das Raster und die Nachfrage nach derartigen Unternehmensanteilen sinkt. Dies hat zur Folge, dass das KGV, sprich der Aktienkurs in Relation auf den Gewinn betrachtet, für solche Aktien sinken wird.

Zum anderen soll ein positiver ESG Score auf ein geringeres Investmentrisiko hindeuten. Langzeitstudien gibt es hierzu noch nicht, aber Fakt ist, dass nun zu Covid-Zeiten bei positiv bewerteten Unternehmen eine geringere Volatilität nachzuweisen ist (iShares MSCI USA SRI ETF vs. Xtrackers MSCI USA ETF: YTD -12.1% vs. -16.7%). Allerdings könnte dies auch daran liegen, dass primär große und somit stabilere Unternehmen ein positives Rating erhalten. Dies liegt wiederum daran, dass bekannte Unternehmen eher analysiert werden und ferner mehr Reports und Daten veröffentlichen als kleinere. 

Zuletzt zeigt sich noch ein emotionaler Vorteil. Der einzelne Anleger hat nun die Möglichkeit seine grundlegenden moralischen und ethischen Werte bei Investitionen besser miteinfließen zu lassen und so mit „reinem“ Gewissen zu investieren.

So oder so, der ESG Score hat es zumindest geschafft das Thema Nachhaltigkeit in das Blickfeld der Unternehmen zu rücken und indirekt Druck auf das Management zu erzeugen, sich mit den genannten Aspekten auseinanderzusetzen. Wie sich das in Zukunft entwickeln wird, gilt es zu beobachten, aber auch Blackrock (ca. 7 Billionen Dollar AUM) hat erst vor kurzem die Wichtigkeit betont.


Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Marc Theiner

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  1. […] Wieder einmal bleibt eines unerlässlich: Innovation. Durch gezielte Investitionen in wirkliche Innovation (und nicht den 100. Energieriegel) scheint die Wende in greifbarer Nähe. Da nehme ich mir auch die Investoren zur Brust: Klar, muss das Geld bei der aktuellen Zinslage untergebracht werden, aber jedes nächstbeste Startup zu finanzieren, ist schlichtweg falsch. Auch sämtliche Venture Capital Fonds, die am investierten Kapital verdienen, müssen umdenken und wahre Innovation und wirkliches Vorankommen fördern und nicht nur den eigenen Geldbeutel. Dass sich ESG- und nachhaltige Investitionen auch auf monetärer Ebene lohnen, sieht man derzeit. […]

  2. […] gilt es zu reduzieren. Wie ich auch schon gemeinsam mit Anthea Amirian in unserem Artikel zum “ESG Score” dargestellt habe, wird es immer wichtiger das Unternehmen nachhaltig aufzustellen, um bei […]

  3. […] dabei eine entscheidende Größe. Hierzu verweise ich gerne auf den Artikel von Anthea Amirian: „ESG Score – Sinnvolle Kennzahl zum Nachhaltigen Investieren oder nur schöner Schein?“. Unternehmen haben […]

  4. […] Geschäftsmodell bzw. nachhaltigeren Geschäftsabläufen. Mit dem ESG-Score haben wir uns bereits hier beschäftigt. Durch den stärker werdenden Fokus der Anleger (institutionell sowie privat) auf […]

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